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Stadtrat ohne Stadträte: Zwei Fraktionen fehlen zum Auftakt

Viele interessierte Gäste und viele verhinderte Kommunalpolitiker: In der Sitzung des Stadtrates Brotterode-Trusetal gab es Platzmangel und Überkapazitäten. Doch die Arbeit kann beginnen, das Formale ist erledigt.

Volles Haus: Rund 50 Besucher waren zur konstituierenden Sitzung des Stadtrates
Brotterode-Trusetal ins Rathaus gekommen.

Brotterode-Trusetal – Ein Viertel nach 19 Uhr war alles perfekt: Die Stadt Brotterode-Trusetal hatte nun auch offiziell einen Bürgermeister und kurz darauf auch einen verpflichteten Stadtrat und einen neuen Beigeordneten. Während das bereits im Mai durch die Bürger gewählte Stadtoberhaupt Kay Goßmann am Abend durch die älteste und dienstälteste Stadträtin Erika Groß (Die Linke) verpflichtet wurde, musste sein Stellvertreter von der Kommunalvertretung bestimmt werden.

Bürgermeister Kay Goßmann wird durch die älteste Stadträtin Erika Groß (Die Linke) vereidigt.

Ulrich Wolf (BfBT) hatte als einziger Kommunalvertreter seine Kandidatur erklärt und alle am Abend möglichen 15 Stimmen erhalten. Zum Wahlgang ging es in die Küche. Er hätte lieber 21 Stimmen bekommen, so Wolf, der sich dennoch über das Ergebnis freute. Aber die Freien Wähler hatten sich zuvor entschuldigt, die Liste „Auftrag Heimat“ ebenso. Nur deren Spitzenfrau, Nicole Simon, hatte schon längerfristig abgesagt.

Bürgermeister Kay Goßmann (rechts) gratuliert dem Beigeordneten Ulrich Wolf
und überreicht ihm die Urkunde

Rund 50 Gäste, eine der größten Kulissen in der Geschichte des Stadtrates, verfolgten den Sitzungsverlauf. Für Bürgermeister Goßmann hatte es hochemotional begonnen. Er habe Lampenfieber, wie das bei einer Premiere nun mal sei, sagte das Stadtoberhaupt, das gleichwohl äußerlich unaufgeregt und souverän wirkte. Goßmann, der bislang Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft und kein aktiver Politiker war, sprach von einer Zäsur in seinem Leben. Es freue ihn sehr, dass er bei den Wahlen als „nicht hier Geborener“ so großen Zuspruch bekommen habe. Er bedankte sich ausdrücklich bei seinen Vorgängern, die sich „mit ihrer eigenen Handschrift für die Stadt engagiert haben.Die Wahl habe das Gesicht des Stadtrates verändert. Sechs Kommunalvertreter seien neu.Seine eigene Vorlaufzeit sei kurz gewesen. Er ermunterte die Bürger,zu den nächsten Sitzungen noch ihre Nachbarn mitzubringen, Kritik vorzutragen und Lösungsansätze zu bringen. Der Bürgermeister spiele nicht die Hauptrolle, alle spielten sie. Goßmann streifte in seiner gut zehnminütigen Antrittsrede einige markante Punkte.
Ganz nach vorne rückte er den Wirtschaftsstandort.
An zweiter Stelle nannte er den Straßenbau.
Die Eisensteinstraße werde voraussichtlich in zwei Jahren gebaut.Aber es gebe in der Stadt eine große Anzahl von Wegen, bei denen es nach starken Regengüssen große Probleme gebe. Goßmann sprach sich für einen vereinfachten Straßenbau aus. Als weitere Punkte nannte er das touristische Angebot, gerade den Wasserfall, die Schanze oder die Herausforderungen des demografischen Wandels. Man könne stolz sein auf die Stadt, die gerade bei weichen Faktoren, punkte.
DieKonsolidierung der Finanzen sei wichtig, aber man dürfe vor lauter sparen auch keinen Investitionsstau verursachen, der sich später räche.
In den nächsten Tagen beginnt die politische Arbeit.
Die Ausschüsse sind besetzt und werden ihre ersten Tagungen abhalten.



Stadtrats-Telegramm
Anwesenheit: 15 von 21 Stadträten
Gäste: rund 50
Sitzungsdauer: 100 Minuten
Beschlüsse: fünf
Sätze des Abends:
„Danke Marian, das ist ja rührend.“ (Bürgermeister Goßmann zu Stadtrat Mühlhausen, der ihm einen Blumenstrauß überreichte)
„Wenn ich hätte singen können, hätte ich Sie unterhalten.“
(Der Bürgermeister während der Wahl des Beigeordneten)
„Marian, darf ich auch dazukommen?“
(Der Bürgermeister zum umtriebigen Marian Mühlhausen, der den
Thüringer Innenminister wegen des Umbaus der Feuerwehr eingeladen hat und mit ihm Gespräche führen will)
„Wir brauchen die Alten in den Vereinen. Die müssen die Jugendlichen heranführen“ (Kay Storch, BfBT)
„Was, die Baustelle Pappenheimplatz ist abgeschlossen? Schämt ihr euch denn nicht?“ (ein Bürger)